Piercing-Wissen von Angie
Piercing-Pflege & Wissen
Septum, Helix, Dermal oder Nostril — jedes Piercing heilt anders und hat seine eigenen Regeln. Angie, unsere Piercing-Spezialistin, hat die häufigsten Fragen aus dem Studio-Alltag hier zusammengefasst: was zu einer guten Platzierung gehört, wie lange die Heilung dauert und woran man eine echte Entzündung erkennt.
Warum dieses Wissen hier steht
Die meisten Fragen zur Piercing-Pflege wiederholen sich — Angie beantwortet sie im Studio jeden Tag mehrfach. Diese Seite fasst ihr Wissen zusammen, damit du es nachlesen kannst, wann immer du es brauchst. Sie ersetzt aber keine individuelle Beratung: Bei Unsicherheiten komm einfach vorbei.
Piercing für Piercing erklärt
Septum
Das Septumpiercing sitzt im Idealfall nicht im Knorpel, sondern in der weichen Hautfalte zwischen Nasenspitze und Nasenscheidewand — dem sogenannten Sweet Spot. Wird zu nah an der Nasenspitze gestochen, landet die Nadel im Knorpel: Die Folge sind eine deutlich längere Heilung und mehr Schmerzen, auch noch Jahre später beim Draufkommen. Eine leicht schiefe Nasenscheidewand ist bei den meisten Menschen völlig normal — entscheidend ist, professionell damit zu arbeiten. Heilzeit: 2–6 Monate.
Nasenring (Nostril)
Die Platzierung ist individuell: Bei nur einem Nostrilpiercing empfehlen wir mittig am Nasenflügel, etwa 6–8 mm vom Rand entfernt und nicht in der Nasenfalte. Genauso wichtig ist der Stichwinkel — 90° ist ideal, weil dann sowohl Stecker als auch eng anliegende Ringe gut sitzen. Ein spitzerer Winkel eignet sich nur für sehr eng anliegende Ringe, ein zu flacher Winkel bringt für Ringe keinen Mehrwert. Da hier drei Hautschichten zu einem durchgehenden Kanal zusammenwachsen müssen, dauert die Heilung mit 8–12 Monaten spürbar länger.
Helix
Am Ohr gibt es zwei Varianten: das klassische Helixpiercing in der Falte am Rand, und das Scaphapiercing auf der flachen Fläche daneben — je nach Anatomie und Wunsch setzen wir das Piercing dort, wo es am besten sitzt. Weil es im Knorpel liegt, dauert die Heilung 6–9 Monate. Der Erstschmuck ist bewusst etwas überlang, um Platz für die anfängliche Schwellung zu lassen, und wird nach 6–8 Wochen gekürzt ('Downsizing') — das ist im Preis inbegriffen. Wichtig: Wer diesen Termin verpasst, riskiert Wildfleisch oder ein Verwachsen des Kanals. Zum ersten Schmuckwechsel auf Ring oder Wechselschmuck am besten erst nach vollständiger Abheilung vorbeikommen — wir helfen dabei.
Industrial
Für ein klassisches Industrial-Piercing muss die Helixkante ausgeprägt genug nach außen stehen — liegt sie zu flach am Kopf an, funktioniert die klassische Variante nicht. Das ist aber kein Ausschlusskriterium: Mit passendem Schmuck lässt sich der Industrial-Look auch bei anderer Anatomie realisieren, zum Beispiel als Claw Grip oder Mid-Helix-Variante. Jede Anatomie ist individuell — gemeinsam finden wir heraus, was bei dir am besten funktioniert und aussieht.
Dermal & Surface
Dermal- und Surface-Piercings sitzen an der Hautoberfläche und gelten als langzeit-temporär: Sie halten meist 2 bis 10 Jahre, vereinzelt auch deutlich länger. Beim Stechen entsteht eine kleine Tasche in der Haut, in die der Schmuck eingesetzt wird — anfangs sitzt er dadurch etwas locker und zieht sich erst mit der Zeit eng. In den ersten drei Wochen, vor allem nachts, gehört ein Pflaster dazu: Es schützt vor versehentlichem Herausreißen und drückt den Schmuck tiefer ins Gewebe, was die Haltbarkeit deutlich verbessert. An stark bewegten Körperstellen raten wir eher ab, und bei Verlust des Schmucks bleibt meist eine kleine Narbe zurück.
Wie Piercings heilen
Piercings heilen von außen nach innen: Um den Schmuck herum bildet sich eine neue Hautschicht, der sogenannte Piercingkanal. Wie lange das dauert, hängt stark von der Stelle ab — Ohrläppchen heilen vergleichsweise schnell, Knorpelpiercings wie Helix brauchen 6–12 Monate, weil das Gewebe schlechter durchblutet ist, orale Piercings dagegen oft nur 3–4 Monate dank der gut durchbluteten Schleimhaut. Am wichtigsten in den ersten 1–3 Monaten: regelmäßig reinigen und auf keinen Fall anfassen oder daran kratzen.
Entzündung erkennen
Nicht jede Unregelmäßigkeit ist gleich eine Entzündung — oft ist es nur eine Irritation. Anzeichen dafür sind Rötung, leichte Empfindlichkeit oder kleine Bumps. Eine echte Entzündung erkennt man an ungewöhnlicher Schwellung, starker Empfindlichkeit und dunklem oder farbigem Ausfluss; eine weiß-gelbliche Flüssigkeit dagegen ist in der Heilungsphase normal — das ist nur Lymphflüssigkeit. Häufigste Ursachen sind Schmutz und Bakterien, aber auch minderwertiger Schmuck: Echtsilber oxidiert in der Haut und ist ein No-Go, Edelstahl oder Billigschmuck gehören nicht in ein noch heilendes Piercing. Am besten geeignet ist Titan in Implantatqualität (ASTM F-136). Im Zweifel gilt: Schmuck drinlassen und zeitnah zum Piercer — wird er entfernt, kann sich die Entzündung sonst einschließen. Auch wenn dein Piercing nicht bei uns gemacht wurde, kannst du jederzeit ohne Termin vorbeikommen; je nach Aufwand berechnen wir dafür 5–10 €.
Wildfleisch
Wildfleisch entsteht meist durch anhaltenden Druck oder Bewegung — zum Beispiel, wenn ein Knorpelpiercing nicht rechtzeitig gekürzt wird. Es gibt dagegen keine Wundersalbe: Jede Behandlung hilft nur so lange nicht dauerhaft, wie die eigentliche Ursache der Reizung bestehen bleibt. Wichtig ist deshalb, die Ursache zu finden und zu beseitigen — und auf keinen Fall daran zu drehen, zu kratzen oder zu ziehen. Am schnellsten geht das gemeinsam mit deinem Piercer des Vertrauens.
Die wichtigsten Grundregeln
- In den ersten 1–3 Monaten sind frische Piercings am entzündungsanfälligsten — regelmäßige Reinigung ist Pflicht.
- Schmuck nie zu früh wechseln, auch wenn die Versuchung groß ist — das verlängert die Heilung eher, als sie abzukürzen.
- Bei einer echten Entzündung den Schmuck drinlassen und zum Piercer statt zur Apotheke.
- Nur Schmuck aus Titan in Implantatqualität (ASTM F-136) für frische und heilende Piercings — kein Echtsilber, kein Billigschmuck.
Aus der Praxis
Ich bekomme dieselben Fragen fast täglich — deshalb habe ich das Wichtigste hier gesammelt, statt es jedem einzeln zu erklären. Am Ende ist jede Anatomie und jede Heilung ein Stück weit individuell, aber die Grundregeln gelten für fast alle.
Wenn dein Piercing sich komisch anfühlt oder du unsicher bist: lieber einmal zu oft vorbeikommen als zu selten. Das kostet dich nichts außer fünf Minuten, und mir ist ein kurzer Blick lieber als eine Entzündung, die man hätte früh erkennen können.
— Angie, Piercing-Spezialistin bei Medusa Tattoo München
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